• Thomas Marti

Trump hin oder her



Wenn man sich dieser Tage hier in Davos umschaut und bewegt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es halt doch einen Unterschied zwischen „Oben“ und “Unten“ gibt. Diesen Unterschied thematisiert der Soziologe Guy Standing, indem er den Ausdruck „Reniter Capitalism“ geprägt hat. Standing postuliert in der Folge von Globalisierung die Bildung einer neuen globalen Klasse, die er das Prekariat nennt. Das Prekariat zeichnet sich durch eine unsichere Beschäftigungs- und Einkommenssituation aus. Im Prekariat lebende Menschen sind dann nicht mehr die Autoren ihrer eigenen Lebensgeschichte, sie befinden sich sinnbildlich in einem Wellental und werden von den Wellen hin und her geworfen. Diesen Zustand kann man auch einen Zustand der Entfremdung nennen. Der einzelne Mensch und die Welt stehen sich in dieser Situation feindlich gegenüber. Die Rentiers auf der anderen Seite entsprechen dem Bild des Surfers, der auf dem Wellenkamm jeder geeigneten Welle reitet. (How Is Rentier Capitalism Aggravating Inequality? 2018-01-23 12:00).

Viele Menschen können sich des Gefühls nicht erwehren, dass im lebensweltlichen Alltag etwas nicht mehr stimmt. Fehlende Resonanz und die daraus entstehenden Entfremdungserfahrungen sind weit verbreitet. Die Zeitverdichtung lässt die Halbwertszeit von Wissen purzeln und der Horizont für stabile Entscheidungen wird immer kürzer. Schon allein die Tatsache, dass am WEF darüber diskutiert wird, wie man den Kapitalismus verbessern kann, unterstreicht die obige Einschätzung. (Towards Better Capitalism. 2018-01-23 17:00).

Im Zuge der Diskussionen rund um eine digitale Zukunft werden für alle gesellschaftlichen Teilsysteme gravierende Änderungen gefordert. Die Debatte um die wirklichen Kompetenzen einer möglichen Zukunft wird sehr kontrovers geführt. (Putting Jobs Out of Work. 2018-01-24 11:00).

Ich bin der Meinung, dass es im Hier und Jetzt nicht immer nur darum, wie wir uns an zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen am besten anpassen. Es ist auch wirksames Denken darüber gefordert, wie wir die Gesellschaft dem Menschen hinsichtlich eines guten und gelingenden Lebens anpassen sollten. (The 21st-Century Social Compact. 2018-01-24 13:30).

Yuval Harari blickt in seinem Buch „Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen“ in die Zukunft. Werden wir durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine zu hyperintelligenten, unsterblichen Cyborgs? In der Sendung „Sternstunde Philosophie“ von SRF spricht Hariri aber auch darüber, dass sich lange Zeit nur wenige diese wegweisenden Technologien leisten können und diese Zeit seiner Meinung nach durch sehr grosse Angst gekennzeichnet sein wird. (Will the Future Be Human? 2018-01-24 15:00).

Der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Zeid Raad al-Hussein, hat Ende 2017 seinen Rücktritt bekannt gegeben und anlässlich einer Pressekonferenz Bilanz gezogen. Er hat dabei darauf hingewiesen, dass sich das Bewusstsein für die Menschenrechte in alarmierendem Ausmass verflüchtigt. Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres spricht von einer Welt in Schieflage: Mehr Menschenrechts-verletzungen, mehr Rassismus, mehr Ungerechtigkeit, weniger Freiheit. (Global Prospects for Human Rights. 2018-01-26 15:00).

Die Veranstaltungen des WEF können auf www.zeitbildung.ch/wef live verfolgt werden, stehen aber auch später noch zur Ansicht bereit.

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