• Thomas Marti

Was wir von Igor Larionov lernen können!



Igor Larionov war einer der besten Eishockeyspieler der Welt. Zusammen mit Sergei Makarow, Wladimir Krutow, Wjatscheslaw Fetisow und Alexei Kasatanow bildete er den vielleicht besten Block im Eishockey, der das Welthockey über Jahre geprägt hat. Nachfolgende Überlegungen beziehen sich auf einen Artikel von Igor Larionow (The beautiful game), der auf dem Portal „The Players Tribune“ erschienen ist.

Steht man in irgendeinem Eishockeystadion der Schweiz und sieht einem Juniorenmatch irgendeiner Entwicklungsstufe oder Leistungsstufe zu, ist die Chance sehr gross, dass der Trainer oder ein Betreuer während des Spiels oder in der Kabine zu den Spielern sagt, sie sollen schnell, hart und einfach spielen. Schaut man im Fernsehen Eishockey, hört man in den Analysen zur Pause wahrscheinlich mehrmals Sätze, die sinngemäss sagen, dass in der Einfachheit der Schlüssel zum Erfolg liegt. Man spielt den Puck in die gegnerische Hälfte, sprintet hinterher und versucht im Infight die Scheibe zurückzuerobern. Geht man in irgendeiner Eishalle um ein Juniorentraining zu beobachten, hört man dasselbe: „keep it simple“

Now, the game is all about “north-south,” chip-and-chase.

Igor Larionov, The beautiful Game.

Igor Larionov stellt nun die sehr berechtigte und interessante Frage, warum in fast allen Stadien rund um den Globus dieselbe Losung ausgegeben wird. Warum, so fragt Larionov, fordert der Trainer von seinen Spielern nicht absolute Kreativität.

Say what you want about the Whiplash mentality (or the Soviet mentality), but if coaches are going to push kids at that age, why are they pushing them to play a simple game? Why aren’t coaches pushing them to create a masterpiece?

Igor Larionov, The beautiful Game.

Larionov nennt in seinem Artikel auch die Gründe warum „keep it simple“ heilig ist.

The problem is more philosophical and starts way before players get to the NHL. It’s easier to destroy than to create. As a coach, it’s easier to tell your players to suffocate the opposing team and not turn the puck over(…) Many young players who are intelligent and can see the game four moves ahead are not valued. They’re told “simple, simple, simple.”

Igor Larionov, The beautiful Game.

Unterkomplexe Antworten („simple, simple, simple“, …) auf komplexe Situationen führt dazu, dass spezifische Selektionssysteme herausgebildet werden. Die Struktur dieser Systeme generiert auch eine dazugehörige Kultur.

If you look at the coaches in Juniors and minor league hockey, many of them were not skill players. It’s a lot of former enforcers and grinders who take these coaching jobs. Naturally, they tell their players to be just like them.

Igor Larionov, The beautiful Game.

Mit anderen Worten, es gibt viel zu wenig gute Juniorentrainer, die Spieler und Spielerinnen zu einem kreativen und innovativen Spiel führen. Larionov stellt weiter die unanständige Frage, ob das Spiel heute wirklich weiter entwickelt ist und kommt zum Schluss:

It’s not how fast you skate, it’s how fast you think.

Igor Larionov, The beautiful Game

Unser Denken ist geprägt von überkommenen Gedanken. Und es ist auch bekannt, dass das einseitige Priorisieren von Gedanken ein Vakuum erzeugt, das allergisch ist gegen Alternativen. Es ist veraltet zu glauben, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergibt, dass der Homo oekonomicus rationale Entscheidungen trifft, dass ein grösseres Angebot besser ist, als ein kleineres und dass mehr Konkurrenz immer zu besserer Qualität führt. Trotzdem ist unser Alltag nach wie vor geprägt von diesen für das 20. Jahrhundert wichtigen Gedanken.

Schlussfolgerungen:

  • In vielen Bereichen der Gesellschaft dominieren nach wie vor Maximen, die es Wert sind, hinterfragt zu werden: Spiele hart, einfach und schnell, mehr Konkurrenz bedeutet mehr Qualität, wir brauchen Wachstum, im Markt siegen oder besiegt werden, Business ist knallhart.

  • Die Welt ist komplex und nicht einfach zu durchschauen. Auf Komplexität mit Unterkomplexität zu reagieren ist populistisch.

  • Die Zeit der Individualisierung hat ihren Höhepunkt überschritten. Es ist an der Zeit ein globales Masterpiece auf Basis eines progressiven Wir’s zu kreieren.

  • Besiegen und begegnen geht nicht gleichzeitig. Solange wir mit kriterienbasierten Selektionsprozessen nur Talent priorisieren, gehen Potenzial, guter Wille, Energie und Genialität in grossem Rahmen verloren.

  • Spielerische Intelligenz muss über den nächsten Move, ökonomische Vernunft und Intelligenz müssen über das nächste Quartal hinausgehen.

  • Es gibt zu viele einseitig ausgebildete Führungskräfte, die nach Wachstum, Effizienzsteigerung und Beschleunigung rufen und jenseits des nächsten Quartals blind sind.

  • Es gibt zu wenige gebildete Führungskräfte, die fähig sind, ein gemeinsames Miteinander zu denken.

Beispiele von „keep it simple“

  • Die Berner spielten einfach, geradlinig wie eine Hardrock-Band. Aargauerzeitung, 18.3.2017

  • Hart, einfach, geradlinig – im Prinzip spielt Servette das ganze Jahr über Playoff-Eishockey. Berner Zeitung. 2.3.2016

  • Die Schweizer spielten intensiv, einfach, geradlinig. Watson, 18.5.2017

  • Die Frage wird sein, ob sie bereit sind, als Mannschaft aufzutreten, ob sie bereit sind die taktischen Anweisungen umzusetzen und ob sie bereit sind das einfache, geradlinige, effiziente und erfolgreiche Eishockey zu spielen! www.lakers.ch

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